Kolmannskuppe Geisterstadt

Namibia

Die einst reichste Stadt Afrikas wird nun von der Wüste verschlungen - Kolmannskuppe und ihre Entstehungsgeschichte.

Mitten in der namibischen Wüste, etwa 10 Kilometer von der Hafenstadt Lüderitz entfernt, liegt eine verlassene Geisterstadt namens Kolmannskuppe. Früher wurden hier Diamanten abgebaut und zu ihrer Blütezeit war Kolmannskuppe eine lebendige Stadt mit einer Menge Luxus. Die damals reichste Stadt von Afrika war das Zuhause für etwa 400 Personen, davon waren die meisten deutsche Siedler aus dem damaligen Deutsch-Südwestafrika. So schnell wie der Reichtum ankam, verschwand er auch wieder und nach nicht einmal 30 Jahren war der Großteil der Bevölkerung bereits wieder verschwunden. Heute bleiben allein die sandigen Ruinen und die Geschichte einer vergangenen Zeit übrig.

Die Stadt Kolmannskuppe, auch Kolmanskuppe oder Afrikaans „Kolmanskop“ genannt, wurde nach dem Nama (Volk in Namibia) Johnny Coleman benannt, welcher hier während einem Sandsturm im Jahr 1905 mit seinem Ochsenkarren in einer Düne stecken blieb. Zu dieser Zeit war Namibia Teil der deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika und die Lüderitz-Eisenbahn führte durch den Ort. Bei Arbeiten an den Gleisen fanden die Eisenbahnarbeiter Zacharias Lewala und August Stauch rein zufällig einen Diamanten, welcher der erste von vielen werden sollte. Als Folge darauf entstand ein regelrechter Diamanten-Boom in der Region und zahlreiche deutsche Siedler ließen sich in Kolmannskuppe nieder. Das umliegende Gebiet wurde zur „Sperrzone“ erklärt und das Recht auf den Diamanten-Abbau allein der deutschen Kolonie zugesprochen. Viele lokale Völker wurden aus ihrem Lebensraum verdrängt und als Minenarbeiter in Kolmannskuppe angestellt. Die Ortschaft, welche eigentlich nur als kleines Camp für Diamantsucher gedacht war, wurde durch den neuen Reichtum schnell zu einer luxuriösen Bergbaustadt. Obwohl die Umgebung abgesehen von Sand und Hitze, nicht wirklich viele natürliche Ressourcen zu bieten hat, wurden ansehnliche Steinhäuser im deutschen Stil für die ca. 400 Einwohner der Stadt aufgebaut. In ihrer Blütezeit fand man in der Stadt sogar ein Krankenhaus, eine Schule, ein Elektrizitätswerk, eine Eisfabrik, eine Kegelbahn, ein Schwimmbad, ein kleiner Laden und sogar ein Gebäude namens „Ballsaal“, in welchem ein Theater und eine Turnhalle waren. Die Materialien für den ganzen Luxus wurden entweder aus Kapstadt oder aus Deutschland nach Kolmannskuppe transportiert und mit den Einnahmen aus den Diamanten finanziert. Ein Großteil der Arbeiter hatte jedoch nicht das Glück, am Luxus teilzuhaben, sondern musste in verkommenen Unterkünften außerhalb des lebendigen Zentrums leben. Obwohl die Stadt während ihrem Höhepunkt als reichster Ort in Afrika galt, war sie nicht für immer bestimmt. Das Vorkommen von Diamanten wurde immer knapper und der Abbau verschob sich langsam weiter südlich, was viele Anwohner zu einer Umsiedlung veranlasste. Als im Jahr 1930 der Diamantabbau in Kolmannskuppe gänzlich eingestellt wurde, verließen die Bewohner allmählich ihr Zuhause, ließen ganze Wohnungseinrichtungen zurück und schlussendlich wurde die Stadt gegen Ende der 50er Jahre zu einer leeren Geisterstadt.

Im Verlauf der Jahre sind viele der Gebäude verfallen und der Sand türmt sich sogar im Inneren der einst bewohnten Gebäude. In den 90er Jahren erlebte die nahe Ortschaft Lüderitz einen wirtschaftlichen Aufschwung und das touristische Potenzial von Kolmannskuppe wurde entdeckt. Einige Gebäude wurden originalgetreu restauriert und sogar mit Einrichtung ausgestattet, um eine Art live Museum zu kreieren. Seit dem werden Führungen durch die Geisterstadt angeboten. Der Zugang wird jedoch streng kontrolliert, da in der nahen Umgebung noch immer Diamanten abgebaut werden und Schmuggel vorgebeugt werden soll. Heute erinnert die Geisterstadt an eine lange vergangene Zeit und den damaligen Umgang mit Ressourcen, während ein bitterer Beigeschmack wegen der Gräueltaten der Kolonialzeit bestehen bleibt. Die Wüste hat sich bereits jetzt einen großen Teil des Landes zurückgeholt und laut Strukturuntersuchungen macht sie dies auch weiterhin, denn die Gebäude verfallen langsam.

Kolmannskuppe kann heute im Rahmen von begleiteten Touren besucht werden. Die Führungen werden auf Englisch, Afrikaans und sogar Deutsch angeboten und finden immer Vormittags statt. So oder so brauchst du eine Bewilligung für den Besuch der Geisterstadt, welche im Voraus gekauft werden kann. Einmal angekommen kannst du auf der Tour spannenden Geschichten zuhören oder dich in der „Ghost Town Tavern“ erfrischen. Das Restaurant ist, wie einige der anderen Gebäude, mit originalen Möbelstücken und Dekorationen ausgestattet und bietet kleine Mahlzeiten und Getränke an. Du kannst dich auch selbst auf eine kleine Erkundungstour durch die Ruinen begeben und die mit Sand gefüllten Räume sind ein außergewöhnliches Fotomotiv. Kolmannskuppe ist mit Privatfahrzeugen oder Bussen von Lüderitz aus auf einer langen, geraden Straße erreichbar. Für den Eintritt wird eine Bewilligung verlangt und das verlassen der Stadtgrenzen in Richtung Süden ist aufgrund des Diamantabbaus in der Sperrzone nicht erlaubt.

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Fun Fact

Das Krankenhaus in Kolmannskuppe war im Besitz der ersten Röntgenstation in ganz Afrika, bzw. die erste auf der gesamten Südhalbkugel. Abgesehen von der medizinischen Verwendung wurde mithilfe der Station der Diamantschmuggel durch Verschlucken kontrolliert.