Reverse Culture Shock – und jetzt?

Foto: Jan Marosi

Inhaltsverzeichnis

Sind Weltenbummler völlig tiefenentspannt, beseelt und inspiriert, wenn sie nach einer langen Reise wieder nach Hause kommen? Nein. Oft erleben sie einen ziemlich starken Reverse Culture Shock: Es fällt ihnen schwer, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass das Abenteuer zu Ende ist. Es macht ihnen keinen Spaß mehr, ins Büro zu gehen, die Kommilitonen an der Uni erscheinen langweilig, Freundschaften gehen in die Brüche.

So erging es auch der Weltenbummlerin und Journalistin Uta-Caecilia Nabert. Fast zwei Jahre war sie durch die Welt gereist, erst ein halbes Jahr durch Russland, China und Südostasien. Danach lebte sie über ein Jahr lang in Neuseeland – dank des Working Holiday Visums konnte sie dort reisen und arbeiten. 

Der Reverse Culture Shock Kommt Erst Nach Der Reise

Doch keine Hochzeit

Zurück in der Heimat, dachte sie, würde sie sich wieder eine Stelle in einer Redaktion suchen und irgendwann ihren Freund heiraten, der daheim auf sie wartete. Doch es kam alles anders: Zurück zu Hause merkte sie, dass das Ankommen gar nicht so einfach ist, da hatte sie vom Begriff Reverse Culture Shock noch nie etwas gehört. Mit ihrem Partner mochte sie nicht mehr zusammenbleiben und der pure Gedanke wieder in einen Nine-to-five-Job einzusteigen, versetzte sie in Panik. Hätte sie frei entscheiden können – wirklich frei – was sie tun will, sie wäre wohl sofort ins nächste Flugzeug gestiegen und hätte sich ins nächste Abenteuer gestürzt.

Stattdessen trennte sie sich zwar von ihrem langjährigen Partner, suchte sich aber doch wieder einen Job als Redakteurin. „Hätte ich mal mehr auf mich gehört, auf das was ich wirklich will“, sagt sie heute. Das tat sie erst Jahre später, als sie ihrer Intuition folgte und für zwei Jahre nach Kanada reiste. Erst nach dieser Zeit, erst die zweite Rückkehr, fühlte sich endlich gut an. Die Rückkehr wurde zur Heimkehr.

Was tun gegen den Reverse Culture Shock?

Doch wie kommt das Phänomen des Reverse Culture Shocks überhaupt zustande und wie kann man es umgehen oder wenigstens abmildern? Eines steht fest: Auf einer langen Reise um die Welt ist man enorm gewachsen, man erhält einen richtigen Ego-Booster. Reisende geraten immer wieder in unbekannte Situationen, müssen sich bewähren, flexibel sein, ihre Komfortzone verlassen. So entdecken sie völlig andere Seiten an sich und Fähigkeiten. Außerdem erkennen sie, was ihnen wirklich wichtig ist im Leben.

Der Clash kommt nach der Heimkehr, wenn ihr altes Umfeld erwartet, dass sie wieder „ganz die Alten“ sind, die noch immer in die Lücke passen, die sie einst ausfüllten.

Entspannteres Heimkommen in 5 Schritten

Wie du deine Rückkehr ohne allzu großen Reverse Culture Shock gestalten kannst, das verrät dir Uta:

  • Schraube bestimmte Erwartungen zurück beziehungsweise sei flexibel genug, sie notfalls anzupassen. Das rate ich auch deinem Umfeld, deinen Eltern zum Beispiel: Nur, wer nicht erwartet, dass nach der Heimkehr (der eigenen oder der eines Kindes / Freundes) alles so wird wie vorher, kann nicht enttäuscht werden. Und nur wer nicht erwartet, dass man (oder das Kind / der Freund) überhaupt zurückkehrt, kann nicht enttäuscht werden.
    -> Wenn du etwa nach einem Jahr Working Holiday-Jahr in Neuseeland merkst: du hast noch nicht den Rest der Welt gesehen, dann reist du einfach weiter. Insgesamt erhalten Deutsche ein Working Holiday Visa für zwölf verschiedene Länder: für Singapur, Israel, Australien, Neuseeland, Argentinien, Chile, Uruguay, Hongkong, Japan, Südkorea, Taiwan und Kanada.
  • Bewahre dir die Freiheit, die du auf Reisen erlebt hast, Angst ist ein schlechter Ratgeber, vor allem, wenn er von jenen kommt, die nicht erlebten, was du erlebt hast: Wenn du also unterwegs merkst, dass du allein bei dem Gedanken an den alten Job, den du nur für ein Sabbatical auf Eis gelegt hast, schlechte Laune bekommst, solltest du ihn noch von unterwegs aus kündigen. Auch wenn Freunde und Familie sagen: „Bist du verrückt? Wie kannst du diesen sicheren gut bezahlten Job aufgeben?“ Es klingt vielleicht schräg, aber: Das Risiko wird sich auszahlen, solange du fühlst, dass es die richtige Entscheidung war. So schenkst du dir nämlich die Chance, nach der Heimkehr deinen Traumstelle zu suchen.
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  • Hab Nachsicht mit dir selbst: Es ist nicht schlimm, nach der Reise für eine Weile arbeitslos zu sein. Langfristig ist es schlimmer, sich aus lauter Panik in eine Arbeit zu stürzen, die du ungern machst. Auch dann ist der Reverse Culture Shock nämlich vorprogrammiert.
  • Hab Geduld mit dir selbst: Es dauert bis zu zwei Jahre, bis du nach der Heimkehr auch mental wieder angekommen bist und einigermaßen glücklich.
  • Setz dir Deadlines und Ziele. Am besten hast du dir schon während der Reise einen Plan zurechtgelegt, was du danach machen möchtest. Wichtig ist, dass der Plan nicht fremdbestimmt zustande kam, etwa beeinflusst durch deine Eltern oder einen Partner. Der Plan muss wirklich deinen eigenen Wünschen und Bedürfnissen entsprechen. Ihn dann zu realisieren, braucht aber Zeit. Dabei hilft eine Deadline, die du dir selber setzt und bis zu der du das Ziel oder bestimmte Etappen auf dem Weg dorthin erreicht haben willst.

Buch zum Thema

In ihrem erzählenden Sachbuch „Wieder da und doch nicht hier“ hat Uta-Caecilia Nabert nicht nur ihre eigene Geschichte aufgeschrieben, sondern auch die von 22 anderen Backpackern. Sie alle erzählen von ihrem persönlichen Reverse Culture Shock, den sie nach einer langen Reise zurück in der Heimat erlebten. Für keinen von ihnen war es einfach, doch sie alle haben es geschafft – doch nie, ohne Tränen zu vergießen und Kämpfe auszufechten. Aber auch nach ein paar mutigen Entscheidungen, radikalen Brüchen und dem totalen Umschreiben ihres Lebenslaufs konnten sie alle sagen: „Adé Reverse Culture Shock, ich bin angekommen, wo auch immer ich jetzt bin.“

Titelbild: Jan Marosi

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