Burana Turm

Kirgistan

Ein Turm mit seiner Legende als eines der wenigen Überbleibsel einer vergangenen Stadt, welche einst das "Zentrum der Welt" war.

Inmitten der grünen Wiesen des Chuy Valleys, unweit entfernt von Tokmok, ragt ein ganz besonderes Konstrukt aus dem Boden. Gemeint ist der Burana Turm (abgeleitet vom arabischen Wort für Minarett), welcher einst ein Teil der antiken Stadt Balasagun war. Erbaut wurde das Minarett im 11. Jahrhundert und diente darauf als Vorlage für zahlreiche weitere Minarette. Ursprünglich hatte der Turm eine Höhe von über 40 Metern, nach einem starken Erdbeben im 15. Jahrhundert kollabierte jedoch die obere Hälfte und die Höhe wurde auf 25 Meter reduziert. Der Eingang befindet sich einige Meter über dem Boden und ist über eine Treppe erreichbar. Heute sind die Überbleibsel eine der ältesten architektonischen Konstruktionen Zentralasiens.

Die Stadt Balasagun wurde im 10. Jahrhundert von den Karakhaniden ausgebaut und zu ihrem Hauptsitz in Zentralasien gemacht. Während ihrer Blütezeit soll es in der Stadt an der Seidenstraße unzählige öffentliche Gebäude gegeben haben, darunter eine riesige Festung, über 200 religiöse Einrichtungen und zahlreiche soziale Institutionen. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurde Balasagun schlussendlich von mongolischen Truppen eingenommen und verfiel im Laufe der Jahre. Zahlreiche Erdbeben in dieser seismisch aktiven Region hatten die Zerstörung der einst so lebendigen Stadt zur Folge und heute sind einzig der Burana Turm sowie Überreste von Mausoleen und Grabsteinen übrig. Ein kleines Museum zeigt außerdem kleine archäologische Funde der vergangenen Stadt und ihrer Umgebung.

Die Legende hinter dem Burana Turm erinnert westliche Touristen wahrscheinlich sehr an ein hierzulande bekanntes Märchen; Dornröschen. Demzufolge soll der Turm von einem lokalen Khan (König) erbaut worden sein, als die Prinzessin geboren wurde. Zur Feier seiner Tochter arrangierte er ein riesiges Fest, zu welchem unter Anderem Wahrsager aus der gesamtem Region eingeladen wurden. Die meisten der weisen Leute prophezeiten der Prinzessin ein langes und glückliches Leben, einer war jedoch anderer Meinung. Ihm zufolge würde die Prinzessin an ihrem 16. Geburtstag einem Spinnenbiss erliegen. Unendlich besorgt um seine Tochter erbaute der Khan darauf einen riesigen Turm, in welchem seine Tochter geschützt von jeglichen Gefahren leben konnte. Jahrelang wurden sie von Bediensteten mit Mahlzeiten versorgt, die peinlich genau auf Spinnen oder andere Gefahren untersucht wurden. An ihrem 16. Geburtstag war der Khan so froh, dass die Prophezeiung nicht Wirklichkeit geworden war und wollte mit seiner Tochter ausgiebig feiern. Voller Aufregung eilte er mit einem Korb voller Früchte zu seiner Tochter, ohne dabei die giftige Spinne zu entdecken, die sich im Korb befand. Als die Prinzessin nach einer Frucht greifen wollte, wurde sie von der Spinne gebissen und erlag ihren Verletzungen. Der Khan, geschockt und niedergeschlagen vom Tod seiner Tochter, schrie so laut und kräftig, dass der Turm anfing zu beben und die obere Hälfte kollabierte.

Der Burana Turm befindet sich eine Viertelstunde entfernt von der Ortschaft Tokmok, im Chuy Valley. Vereinzelt gibt es ab Tokmok Mashrutkas (Kleinbusse), welche die Strecke hin und zurück fahren. Weitere Optionen, um zum Turm zu kommen, sind Taxis oder Autostopps.

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Fun Fact

Mahmud al-Kashgari, ein türkischer Gelehrter und Lexikograph, veröffentlichte im 11. Jahrhundert ein Werk namens „Diwan lughat at-turk“ (Die Sammlung der Sprachen der Türken), welches nun in der Nationalbibliothek in Istanbul zu finden ist. Neben wertvollen Übersetzungen und Einblicken in historische Einzelheiten enthält das Werk ebenfalls eine Landkarte. Untypisch für diese Zeit zeigt sie eine runde Welt, umgeben vom Meer und gefüllt mit verschiedenen, ihm bekannten Ländern, Städten und Völkern. In der Mitte seiner Weltkarte steht Balasagun, die damalige karachanidische Residenzstadt, was sie in seinem Kontext zum „Zentrum der Welt“ macht.